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Vaterländische Rede von Hubert Frahm 13. Juni 2009
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"Was ist des Deutschen Vaterland?"
Mit dieser Frage beginnt Ernst Moritz Arndt 1813 sein berühmtes Gedicht "Des Deutschen Vaterland". Verfasser und Gedicht sind leider weitgehend vergessen und doch für eine vaterländische Rede von hoher Aktualität.
Wer war Ernst Moritz Arndt? Ein deutscher Patriot und Dichter, der 1769 in Groß Schoritz auf der Insel Rügen geboren wurde und 1860 als em. Geschichtsprofessor in Bonn am Rhein verstarb. Während seines langen Lebens von 90 Jahren vollzog sich eine geschichtliche Epoche, die von freiheitlichen und demokratischen Kämpfen geprägt war. Seine Vorfahren auf Rügen waren noch Leibeigene des dortigen Adels, sein Vater dann aber bereits Gutsverwalter beim Fürsten Puttbus auf Groß Schoritz.
Durch des Fürsten großzügige Förderung erhielt Ernst Moritz Arndt eine akademische Ausbildung. Greifswald, Petersburg und Bonn waren die Hauptorte seines Wirkens, welches unzertrennlich mit den Ideen und politischen Ansichten des Freiherrn vom Stein verbunden waren, dessen Weggefährte er über viele Jahre war.
Er verfasste politische Schriften und unterstützte furchtlos und unermüdlich Maßnahmen zur Befreiung von der napoleonischen Besatzung und anschließend Bestrebungen zur Demokratisierung und Einigung des deutschen Nationalstaates. Ernst Moritz Arndt war Mitglied der Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt am Main im Jahre 1848. Das Scheitern dieser demokratischen Bestrebungen enttäuschte und betrübte ihn sehr.
Außerdem erlitt er schwere Demütigungen und Verluste für sein Streben. Sowohl von den Besatzungsfranzosen als auch von den altgesinnten Preußen wurde er wegen seiner liberalen Schriften jeweils seines Amtes als Universitätsprofessor enthoben und erst 1840 von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zu dessen Regierungsantritt wieder in Amt und Würden gesetzt.
Dieses kurz umrissene Leben des Ernst Moritz Arndt im Kampf für Befreiung, Gerechtigkeit und Einheit mit seinen Erfolgen, Opfern und Entbehrungen steht deshalb auch in enger Verbindung zum "Lied der Deutschen", welches 1841 ja als Sehnsuchtslied von Hoffmann von Fallersleben auf der Insel Helgoland gedichtet wurde und in der getragenen Vertonung von Joseph Haydn in der heutigen Zeit ja oftmals so gänzlich falsch gedeutet wird. Mit dieser Sehnsucht "Deutschland, Deutschland über alles" war zur damaligen Zeit keine territoriale oder wirtschaftliche Ausbeute gemeint.
Nein, bei Ernst Moritz Arndt: "Was ist des Deutschen Vaterland?" heißt es:
Ist's Preußenland
ist's Schwabenland
ist's wo am Rhein die Rebe blüht
ist's wo am Belt die Möwe zieht
ist's Bayernland, Hessenland
ist's wo des Marschen Rind sich streckt
ist's wo der Märker Eisen reckt
ist's Pommernland, Westfalenland
ist's wo der Sand die Düne weht
ist's wo die Donau brausend geht?
Sehnsuchtsvoll sollten sich alle Königreiche, jedes Fürsten- und Herzogtum, jede Graftschaft und die freien Städte im deutschsprachigen Raum in ein geeintes Deutschland einbringen und so das freiheitliche Deutschland über alles stellen, um friedlich zu Einigkeit und Recht und Freiheit zu gelangen.
Die endgültige Befreiung von den Franzosen - sprich Napoleon - in der Schlacht von Belle Alliance/Waterloo 1815 wohl, jedoch nicht mehr die Reichgründung unter Bismarck erlebte Ernst Moritz Arndt. Denn nicht die friedlichen Bemühungen der Paulskirche, sondern erst die preußischen Siege in den Kriegen
über Dänemark 1864 (Düppeler Schanzen)
über Österreich 1866 (Königgrätz)
und 1870/71 über Frankreich (Sedan)
erbrachten die deutsche Einheit.
Und welch eine schicksalsreiche Entwicklung hat unser geeintes Vaterland in den Wirren der Geschichte dann erlebt:
-Kaiserreich
- Weimarer Republik
- dann das verbrecherische Nazi-Regime unter Führung eines Wahnsinnigen bis hin zur totalen Zestörung in Folge des verhängnisvollen 2. Weltkrieges
- weiter mit der materiell aufstrebenden Bundesrepublik als freiheitlich demokratischem Rechtsstaat.
Wenn auch in der Nachkriegszeit der vaterländische Gedanke bis heute hin bedauerlicherweise an Bedeutung und Wertempfinden verloren hat, so mag uns doch folgendes zu denken geben und trösten. Ist es dem Menschen nicht eigen, dass im Lauf der Zeit und der Generationen etwas in Vergessenheit gerät oder gar verloren geht? Um dann in späteren, sprich neueren Zeiten wieder gefunden, angeblich neu entdeckt und weiterentwickelt wird? Diesen Zeitenlauf und solchen Empfindungswandel muss man nachsichtig und geduldig verfolgen.
Ich bin da ganz zuversichtlich in folgenden Fakten:
1. Im vorigen Monat feierten wir das 60-jährige Bestehen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland mit seinen so wertvollen Artikeln und Grundrechten. An Theodor Heuss, Konrad Adenauer und Carlo Schmidt sei hier erinnert, um nur die herausragenden Persönlichkeiten zu nennen. Dieses Grundgesetz steht wahrlich im Einklang mit dem Gedankengut von Ernst Moritz Arndt. Wo Freiheit ist und Recht, da ist auch Vaterland.
2. Seit 1945 herrscht in der Bundesrepublik anhaltender Friede in Freiheit und Wohlstand.
3. Wie klingt es uns doch noch in den Ohren: "Wir sind das Volk" in dem sich zunehmend der Ruf einmischte: "Wir sind ein Volk". Ich meine die von uns allen im Jahre 1989 erlebte friedliche Wiedervereingung unseres Landes. Wenn auch unter schmerzlichem Verlust der deutschen Ostgebiete Schlesien, Pommern und Ostpreußen, so leben wir doch in einem vereinten, freiheitlichen Deutschland, welches in witschaftlichen und militärischen Bündnissen der westlichen Welt fest verankert ist.
Es bleibt dabei: Im politischen und wirtschaftlichen Wandel der Geschichte ist die Bilanz für unser Vaterland positiv.
Und so endet mein kurzer geschichtlicher Abriss, der sich am Leben und Gedankengut des Ernst Moritz Arndt orientierte mit einer Empfehlung an Sie, an Euch alle. Was ist des Deutschen Vaterland?Ernst Moritz Arndt hat Zeit seines Lebens seine Heimatinsel und, wie er es nannte, "Mein geliebtes Groß Schoritz", nie vergessen und oft besucht. Wörtlich heißt es in seinem Gedicht:
"Heimweh nach Rügen":
"Land der dunklen Haine,
Glanz der blauen See,
Eiland, das ich meine, wie tut's mir nach dir weh.
Nach Fluchten und nach Zügen weit über Land und Meer,
mein trautes Ländchen Rügen, wie mahnst du mich so sehr".
So ist es doch eine gütige Fügung für unser Vaterland, dass die Insel Rügel, dass Groß Schoritz, nach der segensreichen Wiedervereinugung für uns alle wieder erreichbar ist. Deshalb mein Aufruf: Fahren Sie, fahrt Ihr demnächst mal nach Rügen. Das Gutshaus und mithin das Geburtshaus von Ernst Moritz Arndt steht noch und wurde zwischenzeitlich zu Ehren des großen Patrioten zu einem kleinen Museum umgestaltet. Bei einem Besuch kann man sich mit Wirken, Empfindungen, Gedanken, Erfolgen, Opfern und Niederlagen dieses deutschen Mannes auseinander setzen.
Während eines anschließenden Spazierganges durch die reizvolle Natur auf Rügen möge ein jeder aus dieser Stimmung heraus sich fragen: Was ist des Deutschen Vaterland? Wie kann ich meinem Vaterland in heutiger Zeit persönlich und selbstlos dienen? Vielfältig sei gedacht:
Im Beruf
im Ehrenamt
in den Vereinen
in den wirtschaftlichen Vereinigungen
im Dienst an Kindern und Jugendlichen
im sozialen Bereich
in Kirche und Schule
in Politik und Wissenschaft
in Kultur und Heimat.
Wo kann ich edel und hilfreich mitwirken? Aus geschichtlicher Entwicklung sind es doch, neben vielen anderen, gerade die Gilden gewesen, die den vaterländischen Bestand gefördert und bewahrt haben! "Nimmer wird das Reich vergehen, wenn ihr einig seid und treu". So steht es eingemeißelt am Deutschen Eck in Koblenz, welches wir während unserer letzten Gildereise ja aufsuchten.
Und so können wir aus dem "Lied der Deutschen" zuversichtlich jene 3. Strophe singen, die nach den angesprochenen geschichtlichen Epochen erfreulicherweise unsere Nationalhymne wurde. Sehnsuchtsvoll wünschend soll es bleiben bei:
"Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland"
HUBERT FRAHM
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